Wer viel mit einer digitalen Spiegelreflexkamera arbeitet, kennt das Problem: wie sehr man sich auch bemüht, den Sensor in der Kamera sauber zu halten, immer gelingt es kleinen Partikeln, sich dort niederzulassen und durch ihre Anwesenheit kleine schwarze, sehr störende Flecken auf den Fotos zu verursachen. Es gibt Lösungen, wie die digitalen Bilder gereinigt werden können, die meisten davon sind allerdings sehr zeitaufwändig, denn sie verlangen, dass jedes einzelne Bild mit Hand nachbearbeitet wird. Eine Aufgabe, die nicht mehr zu bewältigen ist, wenn es um hunderte von Aufnahmen geht. Nachdem ich viele Wochen das Netz durchstöbert hatte, fand ich nur eine einzige Software, die das tat, was ich mir vorgestellt hatte: eigenständig im Batchmodus jedes einzelne JPG- oder TIF-File analysieren, Staubflecken ausfindig machen und herausrechnen.. Der IMAGEDUSTER.
Die Arbeitsoberfläche ist einfach und übersichtlich. Links oben befindet sich ein kleines Fenster, in dem das aktuell bearbeitete Bild erscheint. Rechts daneben ist ein großes Fenster, das einen vergrößerten Ausschnitt desselben Bildes zeigt. Das linke Fenster dient dabei zur Übersicht und Navigation. Binnen weniger Sekunden ist ein Foto analysiert. Die Koordinaten aller erkannten Staubflecken werden in der Mitte unter den beiden BildFenstern aufgelistet, was aber lediglich der puren Information und Übersichtlichkeit dient, jedoch keine weitere Relevanz hat. Interessanter ist, dass nach der DateiAnalyse die erkannten Punkte und Flecken im rechten großen Fenster grün markiert erscheinen. Dabei hat man die Möglichkeit, per Mausklick sowohl Markierungen zu löschen als auch Markierungen zu erzeugen. Das ist sinnvoll.. Denn obwohl die Software erstaunlich gut darin ist, Staub ausfindig zu machen, kann es vereinzelt vorkommen, dass einzelne Flecken doch nicht erkannt werden, oder dass kleine dunkle Gegenstände (Bauchnabel, Steckdosenlöcher, …) vermeintlich als Staub entlarvt werden.
IMAGEDUSTER läßt sich auf der Suche nach Staubflecken beeinflussen. Links unten auf der Arbeitsoberfläche stehen dem User im Sektor Dust Spot Control drei Schieberegler zur Verfügung. (1) Edge sensitivity. Hiermit regelt man, wie sensibel IMAGEDUSTER den Bereich um die Staubflecken herum beachten soll.. Liegen die Flecken auf einem unruhigen Hintergrund, oder ist dieser gleichmäßig? (2) Dust spot darkness. Hier wird IMAGEDUSTER mitgeteilt, wie sehr der HelligkeitsKontrast zwischen Staubflecken und Umgebung bei der Bildanalyse berücksichtigt werden soll. (3) Blend feather (Pixels). Hier wird der Mindestradius festgelegt, den ein Staubfleck haben muss, um bei der Suche berücksichtigt zu werden. Es empfiehlt sich in aller Regel, den kleinsten Wert zu wählen.. Höhere Werte beschleunigen die Analyse.
Ein zweiter Sektor links daneben nennt sich Area and Colour Control. Über ein Drop-Down-Menü läßt sich hier zunächst festlegen, ob IMAGEDUSTER das ganze Bild oder nur einen bestimmten Bereich untersuchen soll.. Darunter liegen 5 Check-Boxes, die die Möglichkeit bieten, Bildbereiche mit einzubeziehen, in denen bestimmte Farben (Rot, Grün, Blau, Grau) oder Helligkeitsverhältnisse (Dunkel) vorherrschen.
Der letzte Sektor, rechts unten auf der Arbeitsoberfläche, heißt Image List. Die wichtigsten Features dort sind die Möglichkeit, zwecks schnellerer Bearbeitung der Bilder eine “Flecken-Maske” erstellen zu lassen, die dann auf alle Fotos angewendet werden kann, die über das gleiche Fleckenmuster verfügen, ohne dass jedes Bild einzeln analysiert werden müßte. In der Praxis zeigt sich aber, dass trotz derselben Staubpartikel auf dem Sensor die Lage der Flecken auf den Bildern sich geringfügig verschieben kann, abhängig beispielsweise von der Brennweite des Objektivs. Wer über einen schnellen Prozessor verfügt, sollte also auf keinen Fall auf die gründliche Berechnung jeder einzelnen Fotodatei verzichten. Dazu genügt es, die Option Batchprocess zu aktivieren. Weiterhin läßt sich in diesem Sektor die JPG-Qualität festlegen, in der das bearbeitete Bild abgespeichert werden soll, Namensänderung zur Kennzeichnung des gesäuberten Fotos inbegriffen.
Welche Einstellungen zu den besten Ergebnissen führen, muss man selbst ausprobieren. Der Leitfaden zur Software fällt zur Zeit noch etwas dürftig aus. Zwar fällt dies nicht nennenswert ins Gewicht fällt, weil man mit der einfach strukturierten Arbeitsoberfläche auch ohne große Anleitung klarkommt.. Aber mit einer detaillierteren Bedienungsanleitung würde man sich aufgehobener und besser betreut fühlen.
Ein Nachteil von IMAGEDUSTER ist im Augenblick noch die fehlende Möglichkeit, die Größe der Staubflecken, nach denen gesucht werden soll, von oben her einzugrenzen, um zu vermeiden, dass Bildinhalte verschwinden, die erhalten bleiben sollen.
Die Software wird allerdings ständig weiter entwickelt und der Hersteller verspricht jedem Käufer zeitlich unbegrenzt kostenlose Updates.
Die Ergebnisse, die mit IMAGEDUSTER erzielt werden können, sind insgesamt absolut erstaunlich und man wundert sich, weshalb noch keiner der großen Kamera-Hersteller eine ähnliche Software entwickelt hat und serienmäßig mit seinen digitalen SLR-Kameras ausliefert, um den größten Nachteil dieser Geräte im Zaum zu halten.
Chris Danneffel - Konstanz, Germany 3-7-2006